Umberto Boccioni

(1882-1916)
UMBERTO BOCCIONIDen in Reggio di Calabria geborenen Boccioni zog es im Alter von 18 Jahren nach Rom. Dort machte ihn der Maler Giacomo Balla mit der neoimpressionistischen Maltechnik des Divisionismus, dem dynamischen Einsatz von Elementarfarben, vertraut. 1910 begegnete er dem geistigen Vater des Futurismus, dem Schriftsteller Marinetti. Von dieser jungen, revolutionären Bewegung, die einen positiven Glauben in die permanente Erneuerung ausstrahlte, fühlte er sich angezogen. Der Welt eröffneten sich die nie gekannten Möglichkeiten, die die Entdeckung der Elektrizität und die Erfindung des photographischen Materials boten. Der Künstler musste daran teilhaben, statt zu versuchen, im Elfenbeinturm zeitlose ästhetische Kunstwerke für die Ewigkeit zu schaffen. Es war seine Aufgabe, „das moderne Leben, das von den Triumphen der Wissenschaft immerfort auf überrumpelnde Weise transformiert wurde, auf begeisternde, kreative Weise zum Ausdruck zu bringen“. In kurzer Zeit entwickelte sich Boccioni, der zahllose Manifeste verfasste, zum Theoretiker und führenden Vertreter des Futurismus. Als Italien 1915 in den 1. Weltkrieg eintrat, zogen die patriotischen Futuristen, unter ihnen auch Boccioni, freiwillig in den Krieg. In ihren Augen war die italienische Kriegsbeteiligung in erster Linie der letzte Schritt auf dem Weg der nationalen Wiedervereinigung. Das Soldatenleben war jedoch anders, als der streitbare Boccioni es sich vorgestellt hatte. Einem Freund schrieb er: „Ich werde dieses Leben mit der größten Verachtung all dessen, was keine Kunst ist, hinter mir lassen. …. Verglichen mit Kunst ist alles Übrige nichts anderes als Getrampel, Trott, Geduld und Erinnerung.“ Fünf Tage, nachdem er diese Worte zu Papier gebracht hatte, starb er an den Folgen eines Sturzes von seinem Pferd.

Boccioni - Mensch der Moderne
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